Sonntag, 7. März 2010

59

Es sind die Stunden, die saumäßig kalten,

die Kopfwehstunden morgens so gegen vier,

in denen meine Nerven sich in sich selbst einfalten.

In diesen Stunden will ich mich verschenken

u. bestimmt an nichts andres mehr denken.

Denn jetzt gehöre ich verdammt noch mal mir.


Scheitholz 59 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

Samstag, 6. März 2010

58

Da ist kein Boden unter meinen Füßen.

Da sind keine großen Brüder, die mich halten.

Keine Unsterblichkeitssekrete in den Drüsen.

Keine Väter, die meine Güter verwalten.

Da steht mein Ich

u. klammert sich

ans eigene Limit

u. fragt, whodunit.

Doch Füße laufen sowieso, auch ohne Böden.

Hängen tut man aufrecht, auch ohne Brüder.

Beim Sterben denke ich, ich lebte im Öden.

Zuletzt war ich froh, als sie weg waren, die Güter.

Jetzt steht mein Ich

u. übergibt sich

übers fremde Limit.

Fragt nicht, whodunit.


Scheitholz 58 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

Donnerstag, 4. März 2010

57

Kohärent klebt die dunkelbraune

Kaffeepfütze an meiner Fingerkuppe

bildet eine Eieruhr und zerreißt.

Immer wieder. Reiterativ wie die Themen

der Lyrik. Liebe. Ja. Liebe geht mir

durch den Kopf. Unmöglich, dass die

Pfütze am Finger haften bleibt, trotz der

Eleganz der Gliederrhythmen, u. sich

vom Tisch löst. Tausendundein Versuch.

Krethi-Plethi-Bemühungen. Ich hauche

ihr zu, Matthäi ist bei dir am Letzten.

Tausendundeine Fantasie, was wäre wenn.

Das Handgelenk schmerzt. Die Augen

brennen. Es ist vier Uhr morgens.

Ich werde gehen.


Scheitholz 57 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

56

Im Geviert eines Schattenspiels

an der Wand in der nächtlichen

Einhegung einer Schlaflosigkeit

schnitt mir der Gottseibeiuns Grimassen

u. höhnte meinem notorischen

Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Wachsein.

Sein Name war Meth. Ich wusste es.

Die Frau an meiner Seite schlief

unbeleckt vom Kanonenhöhnen.

Sieben Jahre lief ich auf u. vor dem

Teufel davon. Einsam wie ein Schatten

ohne Körper. Ich liebte die Wand. Ich

hatte ein Faible für Todesfiguren u.

blutige Nasen. Der Leibhaftige gab

mir ein fettes F. Nach sieben Jahren kam

die Idee. Ich machte daraus ein E und

klebte es an seine Stirn. Emeth. Wahrheit. Kinderspiel.

Du musst dir alles geben, dass ein Gott

dich nimmt. Das heiße ich Passion.

Vertikaler Sandkasten Leben. Ich

lachte aus dem Geviert aus der Einhegung

heraus und lernte schlafen.


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Mittwoch, 3. März 2010

55

ich kenne, ja, ich kenne Leute

die, wenn sie Bücher kriegen,

sie in beiden Händen wiegen

u dran riechen, als wär's Beute.

Ich kenne, ja, ich kenne Personen

die, wenn sie mich kennen lernen,

ihre Verhüllung entfernen

als würden sie bereits in mir wohnen.

ich kenne, ja, ich kenne Wesen,

die, wenn ich mit ihnen spreche,

nicht wollen, dass sich jemand räche,

die nehmen, als wär’ nichts gewesen


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Dienstag, 2. März 2010

54

Manchmal ist die Lippe

gespalten. Manchmal

sitzt auf der Wippe

nur ein einziges Schicksal.

Eine Seite drückt in den Dreck.

Die andre weist in die Weite.

Besser ich rühre mich vom Fleck.

Ich bin niemals beide.


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Montag, 1. März 2010

53

Ein halber, kalter Döner Dürüm.

Ein billiges, süßliches Parfüm.

Ein Ischliebedisch, ein Meinschatz.

Ein Zeilenschmied, ein Bruchsatz.

Ich laufe zwischen Stuhl und Tisch

einher. Früher war ich einmal frisch.

Heute hätte ich mich weiter eingeschätzt

und bleibe doch nur akkurat aufgesetzt.

Aufgewickelt, angebissen, schizothym.

Keine Sorge, alles nicht so schlümm.

Ich bekenne ein halbes Lirumlarumdarüm.


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Freitag, 26. Februar 2010

52

weiß nicht woher die Worte kommen

wer oder was da aus mir spricht ist

es Aufguss der x-te vom x-ten ist es

Quatsch oder heißt das was. Sind wir

bedeutend fragte einst ein Freund. Nie

fand ich eine Antwort, weil alles Antwort

ist. Weißer Hase auf weißem Grund.

Chasing the white rabbit. Ihr müsst

sichtbar machen. Seid Voyeure.


Scheitholz 52 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )


51

Heftexistenz und Loseblätterleben

seit meinem vierzehnten Jahr zum

Oktroyieren oder Scheitespalten. Keiner

hörte. Niemand las. Nur die Jahrzehnte

schrieben winzige Spuren. Brennende

Juckreize. Kaum was blieb außer

Existenzhefte und Lebensloseblätter

in Schubladen oder Regalablagen. Windige

Asche. Alles wartet auf Entstaubung.

Klingt wie Entdeckung. Die Hoffnung,

es decke sich etwas. Ich käme

irgendwie aus der Deckung. Ich bewiese

mein Leben. Unwiderlegbar. Zumindest

las ich nichts oder hörte etwas andres.

Ich titele: Adipositas des Etwaigen

oder vielmehr Fettverbrennung durch Scheite.


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50

endlich Feierabend endlich Wochenende

endlich Urlaub endlich Rente endlich tot


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Donnerstag, 25. Februar 2010

49

Keller, Keller ist gut, hinter mir ein

Berg Kohle, Staub in den Lungen,

Scheite wie Zehenwände gestapelt,

geschichtete Briketts, Mutters Kippen

dazwischen, Erdschichtenflokati,

der Rhythmus von Vaters Schaufel,

er feuert den Kessel, das Wasser

zum Baden soll heiß sein, alles

muss abgewaschen werden, der Ruß

aus der Kehle, das Flokatikichern

zwischen den Flammenzungen,

Großmutters versteckte Schnapsreste in

abgefingerten Flaschen ohne Etikett,

der Traum von der Burg und dem

Wehr und mir kann keiner was,

von Taumel, Trunkenheit. Ich bin frei.

Wen kümmert’s, was der Schlot in

den Himmel schreibt. Lesen lernte

ich sehr spät


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Mittwoch, 24. Februar 2010

48

Wer füllte den Zeitkompressor mit Farbe?

Wer spritzte Frostcolor in meine Fresse?

Wer weißelte die Eskalationsnarbe?

Wer legte mich auf Eis in der Wehenpresse?

Nur ein absurder Gedanke: Das Bildnis

des Dorian Gray wurde umgepolt.

Das Bild bleibt jung, ich lebe in Wildnis,

wo der Affe Alter Kindsärsche versohlt.

Kreidebleiche Frauenkörper fliegen wie

Benjamins Engel rückwärts durch Geschichte

und wischen mit transzendenter Akribie

Erinnerungen blank. Sie werden Gerüchte.

Der Zeitkompressor trägt den Namen Rumor.

Der Affe spielt Schach mit Dorian Gray.

Der findet, die Narbe sei voller Humor.

Ich wache im Weh und zupfe den Klee.

Viermal vierhundert Blätter. Glück kommt vor.

Zupft man je und je Klee wachend im Weh.


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Dienstag, 23. Februar 2010

47

wenn im Herbst die Zeit lose ist

und die Menschen von den Liegen

fallen und der Himmel pisst,

dass die Wiesen fetter wiegen,

lasse ich den Wörterdrachen fliegen,

der ganze zwei Wolken misst.

Er kann das Leben besiegen,

dass es mich niemals vergisst.


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Montag, 22. Februar 2010

46

Am Tag der Seelen drückte eine obskure

Überdosis Seelenheilmittel den Säugling

in die Novemberwelt des neunzehnhundert-

sechsundsechziger Jahrs. Woanders jagte

man weiße Kaninchen. Hier flackerten

die Lichtlein auf dem Kirchhof lebendig.

Der Säugling schrie nicht, es nachtete

schon. Er lächelte still wie eine Schwarz-

weißglotze mit Tonausfall. Mutter schämte

sich. Wie die Lichtlein werde ich tanzen

auf euren Gräbern, denn ich weiß, die stumme

Welt ändert sich nicht, sie endet. Aber bin

ich die Welt? Mutter, bin ich die verfickte Welt?

Diesen Gefallen werde ich dir nie tun.

Im Herbst blühen keine Sonnenblumen.

Laubpuster waren damals noch nicht

erfunden. Mit ihnen wäre ich gegen die

Herbststürme gerannt, die Handinnen-

flächen blutig von rotem Laub. Ich hätte

geschrieen wie eine beschissene Frühlings-

geburt. Der Drachenflug hätte nie begonnen.

Ich spucke Kaminfeuer.


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Samstag, 20. Februar 2010

45

Wie der Musikant sein Perlmuttakkordeon,

Akkorde perlen durch polierte Passagen

und treiben mittels chromatischen Stimmungen

die süchtig weiter eilenden Passanten an,

presst mich die Lebensbettlerin fest zusammen

und reißt mich mit großer Geste auseinander,

den alten Faltensack durchschlagender Zungen.

Ich spucke exzellent blutrote Halbtöne.


Scheitholz 45 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

44

Ein Gleiches wie ein einziger Edelstein

wollten wir miteinander sein.

Ein zusammengeschmolznes Atom,

dem andres nichts als ein nichtiges Phantom,

wollten wir miteinander sein,

nicht bedenkend, dass diese Kernfusion

nichts weiter auslöst als eine Nuklearexplosion.

Wenn es auch bei uns beiden

lediglich ein Bums war zum Scheiden.


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Donnerstag, 18. Februar 2010

43

Füße stapfen im Matsch.

Sie flüstern Papa.

Der sagt, was für ein Quatsch,

ich bin immer da.

Ich spüre, dass es Ratsch

macht in meinem Herzen.

Deshalb geh ich ja,

die Füße tief im Matsch.


Scheitholz 43 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

Mittwoch, 17. Februar 2010

42

Der Abschied hat begonnen.

Das Willkommen wartet draußen.

Die Straßenbahn fährt durchs Tor.

Die Räder quietschen wie gequälte Katzen.

Das Willkommen wartet hinterm Tor.

Der Abschied ist in vollem Gange.

Die Trambahn hält und die Menschen

strömen auf den Platz und verschwinden.

Der Abschied ist unaufhaltsam.

Das Willkommen wartet erbarmungslos.

Passanten kreuzen die Schienen.

Manche drehen sich noch mal um.


Scheitholz 42 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

41

Ihr Spiel und ihre Spiele und ihre Ignoranz und

ihr indianisches Leibchen und ihre schwarzen

Augen und wieder ihre Ignoranz und ihr falsches

Anlachen mit Hass im Blick gegen meine

Nachbarsfrau. An diesem Samstagabend

ging ich im Schneeregen nach Hause,

genoss das Eispeeling auf der geröteten Haut,

schlief tief. Fast traumlos. Das

Dunkle kam am Morgen erst, ernst

und bekannt und eingeboren wie ein

Völlegefühl im Bauch


Scheitholz 41 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

Dienstag, 16. Februar 2010

40

Einst so einsam in meinen Wehn

dass ich wünschte, ich wäre schizophren

denn ich bildete mir ein,

gespalten sei man nie allein.

Heute ist niemand mehr da

denen ich scheißegal war.

Ich bilde einen Stamm

könnte auch sagen, du bist dran.


Scheitholz 40 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

39

Die Dissonanz eines Theaterstücks

von Igrec Reeza oder das Schräge der

Töne von Murcof oder die Brutalität

des El von Trier oder die Kaltschnäuzigkeit

des Karl El oder die Impertinenz von

Baby Meese oder die Religiosität von

Cy Ti oder der Killerblick von

Madame Bonnaire oder das Jammern

von Herta Emm oder das Low-Fi-Sexuelle

von Charlotte Gee usw. all das ist

ok, aber im Leben un peu de

distance ein bisschen direkte

Courtoisie, please, etwas von dem ich

sage, ich ertrage es. Nur was die

Leichtigkeit eines schwermütigen, nun ja, Gedichtes

von wenigen Zeilen hat, ist, hmm hmm,

passabel


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Montag, 15. Februar 2010

38

Stop vor der Todesmittelampel

green yellow red vor der Zeitgeistmauer

in out out in vor der Fair-Sex-

Trade-Katastrophe pc for cp

vor den Transfettverboten skinny bitches

vor dem Abbild im Bad-Cholesterin-Spiegel

der Opferfaschisten vor der Lactoseintoleranz

ground zero vor den Nullerjahren in Bad

u. WC ist alles ok vor des gravités altières

vor Sprüngen in der Schüssel la rixe

idée fixe vor billigen Knallkörpern

aus dem Osten vor wohlmeinenden

Beleidigungen von minderwertigkeits-

komplexen Kontrollfreaks vor Ideologien

mit Pseudoinsubordinationen

vor Müttern, ja Müttern, vor mir, besonders

vor mir, denn ich geh nach, heil-

los nach


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37

Es wäre da noch ein Schmerz

der hatte mich einst getötet,

Es war da mal mein Leben

das hatte zum Sterben keine Lust.

Der Schmerz, der blieb beleidigt.

Er schmollte u. wollte Betäubung.

Er blieb u. bleibt auf immer in mir.

Das Leben, das lange, es blieb auch

bleibt voller Gedanken, dreimallebenslangen


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Samstag, 13. Februar 2010

36

Eine Umarmung wäre schön

ein Kuss mit Zunge würde gehn

auch beim Berühren der Geschlechter

wäre ich kein Kostverächter

würde das Vereinen nicht Verneinen

drehtest du dich nur endlich um

u. bliebe ich nicht so ewig stumm


Scheitholz 36 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

35

Die einen hauen drauf

die andren stechen ihre

Arme u. Leiber blutig

u. halten blutig für mutig.

Die einen schweigen still

die andren schreien ihre

Sätze in die Welt

wie ein Hund, der die Welt anbellt.

Die einen planen ihr Glück

die andren wanken durch ihr

finstres Tal u. lachen

lachen über alle Sachen.

Die einen lieben nicht

die andren bleiben in ihren

Wänden ganz allein

u. betrinken sich allein mit Wein.

Die einen leben nicht

die andren sterben ihr

Leben lang wie Vieh

Wohin gehören Sie?


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Freitag, 12. Februar 2010

34

Panda Bär und Panta Reh

springen in den großen Fluss

Panta Reh kreischt ein Auweh

Panda Bär stöhnt, was für’n Stuss

Panta Reh und Panda Bär

geben sich einen dicken Kuss

Panda Bär glaubt an die Mär

Panta Reh sagt, es fließt, es muss.


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33

meine Verse sind magersüchtig

wie Mutter magersüchtig war.

blieb Mutter stumm, rufen meine Sätze tüchtig

nach mehr, viel viel mehr, alles klar?


Scheitholz 33 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

Donnerstag, 11. Februar 2010

32

Was fällt dir nur ein? – Nichts besonderes,

nur Krickelkrakel mit Feuerzeuglicht,

nix mit einer Fackel, einfach

nichts von Gewicht, also mach dich

vom Acker, motherfuckerwichtel,

raus aus meinem Gedichtel


Scheitholz 32 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

31

und der Knopf am Kragen

der hängt herunter

und der Knirps im Wagen

der kotzt ganz munter

und der Wald am Morgen

der dampft gewaltig

und die Frau mit Sorgen

die wird ganz faltig

und das Werk in dem Hier

das gewinnt

und der Kerl am Papier

der wird schneeblind

er verliert

Scheitholz 31 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

30

ich mach mir einen Schlitz ins Auge

u. find das wunderwunderbar

Katzenblickeglück u. ich spiel mit dir

ich sag miau u. du keinen Pieps

als wolltest du das letzte Wort

haben


Scheitholz 30 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

Dienstag, 9. Februar 2010

29

Nur wenn ich allein

bin und einsam

wie ein Kieselstein

in deinen Händen

wie ein Sela

am Psalmenende,

finde ich ein Sein

von dem ich sagen

kann ohne Klagen:

das wird schon


Scheitholz 29 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

28

mich hinhalten

so schwer

mich verwalten

das wär

mich raushalten

so leicht

mich aufspalten

es reicht

ich geh hinein

vielleicht

völlig allein

mit mir


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Montag, 8. Februar 2010

27

von Blumen wirklich keine Ahnung

vielleicht Gladiolen, Hyazinthen

sind sie doch mehr dichterische Warnung

denn natürliches Zurechtfinden.

von den Dingen wirklich nichts gewusst

Heizkörper andrehen, Bäder einlaufen

lassen für Liebe u. in Liebesdingen,

das geht. Es meint fast ein Gelingen,

ein stimmhaftes Atmen, Stöhnen, Schnaufen,

ein Pochen, Klopfen, Stechen in der Brust.

von Menschen wirklich kaum etwas gespürt

Gesten auf der Straße, stoisches Lächeln,

aber wie soll ein Hund, soll sein Hecheln

wissen können, was nach ihnen giert?


Scheitholz 27 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

26

ein Netz Mandarinen

ein paar Apfelschalen.

Vor allem dem Banalen

wollten wir dienen.

Ich stand aufrecht

du saßest am Tisch.

Wir wurden neidisch

u. haben das gecrasht:

Die Schalen an die Wand

die Mandarinen mit der Hand.

U. ganz tiefe Flecken

zum Wundenlecken.


Scheitholz 26 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

25

lausende Affen, hausende Gaffer, brausende

Bluffer verwehren den Abschied, der sich im

Gesicht niederschlug. Unumgänglich ist ein

schönes Wort, wenn es nicht im Weg steht.

Es weist die Richtung. Nicht mit einem Knall-

frosch, sondern mit einem Kriechtier, unwandelbar

durch Küsse, unaufhaltsam durch Bedenken.

Der Schuh passt. Es wird einmal gewesen sein.


Scheitholz 25 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )


Sonntag, 7. Februar 2010

24

Eine Sekunde länger

als dein Job erlaubt

hast du mir lächelnd

kurz vor Schluss geraubt.

Eine Achtsamkeit zu lang

als meinem Herz gut tut

war ich nicht mehr bang

und dachte, das tut gut.


Scheitholz 24 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )

23

schamlippentechnisch liegst du

optimal gewinkelt vor dem Geruch

meiner Worte. Mund-zu-Mund-Beatmung

unserer Leben. Mit beiden Füßen stehst

du fest auf dem Schwanz meiner Realität.

Atme, Fleisch, atme, schlag, Herz, schlag. Lass

das Wasser auf der Zunge zusammen laufen.

Ich brauche Tinte. Hör nicht auf meine

Sätze. Nimm, was niemandes ist

u. niemals war. Zeitlos frei. Wie

ein Ton, der nicht einzusperren ist.

Verfassungslose Körper, nabelschnur-

durchtrennt. Höchstens eine Lache Sekret.

Blutsliebschaft durch Ingenieurskunst.

Meine Mundblume gibt sich deine Kanne,

einsamkeitswirklich, schamlippentechnisch.


Scheitholz 23 © 2010 Klaus Peter Buchheit ( E-Mail )